Heimlich gedrehte Videos aus dem Backstage-Bereich der Winterzirkusshow „Monte Carlo Circus Festival meets Europa-Park“ in Rust belasten einen Hundetrainer schwer. Die Aufnahmen zeigen, wie der Trainer Hunde mit einem Seil schlägt und einschüchtert. Das Veterinäramt des Ortenaukreises hat nach Sichtung des Materials Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Offenburg erstattet. Der Europa-Park hat die betreffende Darbietung umgehend aus dem Programm entfernt.
Die Hundeshow war Teil der Veranstaltung „Monte Carlo Circus Festival meets Europa-Park“, die bis zum 18. Januar im Park gastiert und bei ihrer Eröffnung im November die monegassische Prinzessin Stéphanie als Gast begrüßte. Der betroffene Trainer ist in zahlreichen Fernsehshows mit seinen Hunden aufgetreten.
Drei anonym zugespielte Videos gelangten an die Tierrechtsorganisation PETA. Sie zeigen, wie der Trainer einen Hund mit einem Seil schlägt, während die Tiere massive Angstsignale zeigen, sich wegducken und jaulen. Tierpsychologin Jana Hoger von PETA sieht darin eindeutige Gewaltanwendung und geht von wiederholter Misshandlung aus. Die Reaktionen der Hunde deuteten darauf hin, dass ein solcher Umgang nicht neu sei. Die anonyme Meldung sprach von ständiger Tierquälerei.
Auf Initiative des Europa-Parks fand am 16. Dezember eine Kontrolle vor Ort statt, bei der zunächst keine Verstöße festgestellt wurden. Nach Eingang der Videos am 17. Dezember erstattete das Veterinäramt selbst Anzeige. Martin Straube vom Veterinäramt bezeichnete den gezeigten Umgang als deutlich von Zwang und Strafe geprägt und nicht mehr zeitgemäß. Zirkusunternehmen unterliegen den Vorgaben des Tierschutzgesetzes (§ 11) und benötigen eine behördliche Erlaubnis. Das zuständige Veterinäramt am Wohnsitz des Tierhalters wurde informiert.
Der Europa-Park reagierte unverzüglich. Sprecher Florian Kornprobst erklärte, ein solcher Umgang mit Tieren stehe im Widerspruch zu den Werten des Parks. Künftig soll der Winterzirkus stärker auf Artistik, Tanz und Comedy setzen.
PETA hat ebenfalls Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Freiburg erstattet und fordert ein Tierhalteverbot für den Trainer sowie die sofortige Beschlagnahme der Hunde. Jana Hoger betonte, die Tiere könnten weiterhin Gewalt ausgesetzt sein, solange sie in der Obhut des Trainers blieben. Die Organisation hat das zuständige Veterinäramt zur sofortigen Beschlagnahme aufgefordert und den Europa-Park aufgefordert, Tierdressuren dauerhaft aus dem Programm zu verbannen.
Bereits 2017 hatte der Park nach massiver Kritik eine Elefantenshow gestrichen. Zur eigenen Pferdestuntshow in der Spanischen Arena erklärte Kornprobst, sie erfülle die Kriterien des § 11 Tierschutzgesetzes.
Die Ermittlungen laufen. Ob die Hunde abgenommen werden, entscheidet das zuständige Veterinäramt am Wohnsitz des Halters.
Video von PETA Deutschland: facebook.com
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