Ferienwohnungen Rust: Einheimische wehren sich gegen Massentourismus

Montag, 08. September 2025, 11:07

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Ferienwohnungen Rust: Einheimische wehren sich gegen Massentourismus

In Rust im Ortenaukreis haben Einheimische die Bürgerinitiative „Dorf statt Ferienanlage“ gegründet, um gegen den zunehmenden Bau von Ferienwohnungen rund um den Europa-Park vorzugehen. Die Initiative kritisiert, dass der Massentourismus die Lebensqualität beeinträchtigt, während die Gemeinde plant, die Zahl der Ferienwohnungen zu begrenzen. Aktuell gibt es 900 solcher Unterkünfte, vermietet von 250 Gastgebern in dem Ort mit 5.000 Einwohnern.

Gemeinde und Bürgerinitiative arbeiten zusammen

Die Gemeinde Rust steht mit der neu gegründeten Bürgerinitiative im Kontakt. Die Kritik ist konstruktiv geäußert worden. In Bezug auf Ferienwohnungen gibt es ein gemeinsames Vorgehen von Bürgerinitiative, Gemeinde und Gemeinderat. Alle Beteiligten setzen sich zeitnah an einen Tisch. Auch die Gemeinde möchte die Zahl der Ferienwohnungen begrenzen, wie der Pressesprecher Mirko Masen erklärt. Der Gemeinderat will nicht, dass das Ganze ausufert. Rechtlich ist es jedoch nicht möglich, einfach Ferienwohnungen zu schließen. Was die illegalen und nicht angemeldeten Ferienwohnungen angeht, will die Gemeinde den Vermietern zusammen mit dem Landratsamt Ortenaukreis auf die Spur kommen. Wie viele der 250 Gastgeber tatsächlich aus Rust kommen oder Investoren von außerhalb sind, kann nicht gesagt werden. Gerhard Link als Vertreter der Bürgerinitiative bestätigt den Kontakt und das gemeinsame Vorgehen mit der Gemeinde.

Stellungnahme des Europa-Parks

Der Europa-Park erklärt, dass Fragen der baulichen Entwicklung im Ort durch den Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung geregelt werden. Als regional verwurzeltes Familienunternehmen ist dem Park eine nachhaltige Entwicklung im Einklang mit den Bürgerinnen und Bürgern wichtig. Ansonsten tauscht man sich zu allen tourismuspolitischen Themen intensiv mit der Gemeinde aus.

Ziele der Bürgerinitiative

Die Bürgerinitiative „Dorf statt Ferienanlage – Unser Rust soll lebenswert bleiben“ setzt sich für den Erhalt der Lebensqualität, des sozialen Gefüges und des dörflichen Charakters in Rust ein. Sie wendet sich gegen die zunehmende Umwandlung von Wohnraum in Ferienunterkünfte, gegen übermäßige Bodenversiegelung und gegen städtebauliche Entwicklungen, die das Ortsbild und die Lebensqualität bedrohen. Das Ziel ist es, die soziale Struktur, bezahlbaren Wohnraum, Nachbarschaft und Natur zu bewahren, damit Rust auch in Zukunft seinen dörflichen Charakter behält. Das Anliegen der Initiative richtet sich nicht gegen den Europa-Park, sondern gegen die übermäßige Verdichtung und Bodenversiegelung in Rust, die das Dorf langfristig in seiner Struktur und Lebensqualität verändert. Für die Bevölkerung ist eine Broschüre gedruckt worden, um die Bedenken zu verdeutlichen. In den sozialen Medien stößt die Gründung der Bürgerinitiative auf große Resonanz. Die Bürgerinitiative kritisiert, dass in Rust immer mehr große Häuser mit Ferienwohnungen geplant werden, da mit Gästen des Europa-Parks mehr Geld verdient werden kann als mit dauerhaften Vermietungen an Einheimische. Die Lebensqualität in Rust sinkt zunehmend durch mehr Lärm, Verkehr und Müll. Zudem werden mehr Wasser und Energie verbraucht, und das soziale Gefüge des Ortes leidet. Gerhard Link, einer der Initiatoren, betont, dass die Initiative dem Massentourismus in Rust entgegentreten will. Er engagiert sich, weil er möchte, dass Rust ein lebenswerter Ort für die Bürger bleibt und nicht Schritt für Schritt zur reinen Ferienanlage verkommt. Es geht um ein gesundes Gleichgewicht, nicht um eine grundsätzliche Ablehnung des Tourismus. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, verliert man das, was Rust ausmacht: das Zuhause.

Kritik an der Verdichtung im Dorf

In Rust zeigt sich ein besorgniserregender Trend, bei dem Grundstücke, auf denen früher ein Einfamilienhaus mit Garten stand, zunehmend mit großvolumigen Mehrparteienhäusern oder Ferienanlagen bebaut werden. Diese Nachverdichtung erfolgt oft mit Fokus auf renditestarke Ferienwohnungen, nicht im Sinne bezahlbaren Wohnraums für Einheimische. Die Folgen spüren die Menschen im Ort, da Grünflächen verschwinden, alte Bäume gefällt werden und Rückzugsorte sowie natürliche Klimaregulation verloren gehen. Enge Abstände, hohe Gebäudekörper und eine deutlich höhere Belegung belasten das direkte Umfeld durch Verkehr, Lärm oder den Verlust von Privatsphäre. Viele Bauprojekte dienen der touristischen Nutzung und fördern die Verdrängung von Dauerbewohnern, was das soziale Miteinander in gewachsenen Nachbarschaften aushöhlt. Rust droht damit, seine dörfliche Identität zu verlieren. Nachverdichtung darf nicht bedeuten, dass das Dorf seinen Charakter, seine Ruhe und seine Lebensqualität einbüßt. Es braucht klare Regeln, transparente Verfahren und den politischen Willen, die Interessen der Bürgerinnen und Bürger vor rein kommerzielle Ziele zu stellen, damit Rust lebenswert bleibt.

Bedenken zur Bodenversiegelung

In Rust schreitet die Flächenversiegelung durch neue Bauvorhaben unaufhaltsam voran. Wo einst Gärten, Grünflächen oder unbebaute Böden lagen, entstehen zunehmend versiegelte Flächen aus Beton, Asphalt oder Pflaster für Gebäude, Parkplätze oder Zufahrten. Dabei gehen nicht nur Böden verloren, sondern auch wichtige ökologische Funktionen. Versiegelter Boden kann kein Regenwasser mehr aufnehmen, was bei Starkregen die Gefahr von Überflutungen erhöht, weil die natürliche Versickerung nicht mehr funktioniert. Gleichzeitig sinkt der Grundwasserspiegel, da Niederschläge nicht mehr in den Boden gelangen. Auch die natürliche Kühlung durch Verdunstung geht verloren, und Hitzestaus in den Siedlungen nehmen zu. Rust als Erholungsort ist besonders auf ein ausgeglichenes Mikroklima, lebendige Grünstrukturen und ein funktionierendes Wassersystem angewiesen. Jede unnötige Versiegelung wirkt diesen Zielen entgegen. Vor allem bei touristisch motivierten Großprojekten, die mit vielen Stellplätzen und verdichteter Bebauung einhergehen, entsteht ein unverhältnismäßiger ökologischer Fußabdruck. Hinzu kommt der Verlust von Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger, da alte Bäume oft versiegelten Flächen weichen. Die Initiative fordert weniger Beton, mehr Durchgrünung, Regenwassermanagement und einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Boden, denn was einmal versiegelt ist, bleibt oft auf Jahrzehnte verloren.

Folgen des übermäßigen Tourismus

Tourismus kann bereichern, wirtschaftlich, kulturell und sozial, doch wenn er überhandnimmt, kippt das Gleichgewicht. In Rust führt der übermäßige Ausbau von Ferienunterkünften dazu, dass die ursprüngliche Struktur der Gemeinde verloren geht. Wo früher Nachbarn dauerhaft wohnten, ziehen heute im Wochentakt neue Gäste ein. Der ständige Wechsel bringt Unruhe ins Viertel, schafft Lärm, erhöht den Parkdruck und verändert das soziale Miteinander. Zudem entstehen immer mehr großvolumige Neubauten, die explizit auf touristische Nutzung ausgelegt sind, mit zahlreichen Ferienwohnungen und Stellplätzen statt familiengerechtem Wohnraum und Gärten. Die Bürgerinitiative wendet sich gegen die zunehmende Bebauung für touristische Zwecke, die mit Ferienwohnungen, Tiny-Häusern und Parkplätzen den Charakter des Dorfes bedroht. Dauerhaft lebende Bürger werden verdrängt, der Wohnraum für Einheimische wird knapper und teurer. Schulen, Vereine und Gemeinschaftsleben leiden, wenn sich langfristig niemand mehr niederlässt. Auch die Infrastruktur gerät an ihre Grenzen durch mehr Müll, höheren Wasser- und Energieverbrauch sowie nächtlichen Lärm, ohne dass sich die Gäste dauerhaft an den Gemeindekosten beteiligen. Rust droht zur bloßen Kulisse für Feriennutzung zu werden. Nachhaltiger Tourismus bedeutet, das richtige Maß zu finden. Es braucht verbindliche Vorgaben, Begrenzungen und ein klares Bekenntnis zur Erhaltung des sozialen Gleichgewichts, damit das Dorf ein Lebensraum bleibt, nicht nur ein Reiseziel.

Zur Webseite: dorfstattferienanlage.de

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