Phantasialand-Erweiterung Brühl: Hunderte protestieren gegen Ausbau im Naturschutzgebiet – Rat vertagt Entscheidung

Dienstag, 19. Mai 2026, 15:36

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Phantasialand-Erweiterung Brühl: Hunderte protestieren gegen Ausbau im Naturschutzgebiet – Rat vertagt Entscheidung

Rund 300 Demonstranten versammelten sich am Montag vor dem Brühler Rathaus und forderten mit lauten Sprechchören wie „Ententeich bleibt“ und „Brühl bleibt kühl“ sowie Plakaten, die Bebauung des Ententeichs zu verhindern. Die Aktion richtete sich gegen die geplante Erweiterung des Phantasialands in das rund 15 Hektar große, teils unter Naturschutz stehende Gebiet im Dreieck zwischen Berggeiststraße, Phantasialandstraße (L 194) und Autobahn 553. Organisiert wurde der Protest vom Netzwerk Naturschutzgebiet Ententeich, dem Umweltschutzorganisationen, Initiativen sowie Teile der lokalen Politik wie die Grünen und die Linkspartei angehören.

Anlass war die Tagesordnung der Stadtratssitzung. Die schwarz-rote Mehrheitskoalition wollte die Verwaltung beauftragen, die bis Herbst 2025 vom rot-grünen Vorgängerbündnis auf Eis gelegten Planungen wieder aufzunehmen. Konkret ging es um Aufstellungsbeschlüsse zur Änderung des Flächennutzungsplans und zur Erarbeitung eines Bebauungsplans. Christine Hölzmann, Koordinatorin des Netzwerks, richtete sich direkt an die Ratsmitglieder: „Ich hoffe, dass die Ratsmitglieder wahrnehmen, dass nicht alle Brühler Bürger damit einverstanden sind, dass das Naturschutzgebiet bebaut wird.“ Sie forderte eine Vertagung des Beschlusses und die Einberufung einer Bürgerversammlung. Vielen sei nicht bewusst, wie groß die Erweiterung tatsächlich sei. „Wir sprechen ja eigentlich davon, dass wir einen zweiten Park bekommen, einen Wasserpark.“

Die Umweltschützer sehen in der möglichen Bebauung eines Naturschutzgebiets für privatwirtschaftliche Interessen eine besondere Brisanz. Sie befürchten zusätzlichen Verkehr und Lärm, den Verlust eines wichtigen Lebensraums für Tier- und Pflanzenarten sowie Risiken für tiefer gelegene Stadtteile, weil der Wald bei Starkregenereignissen als Schutz verloren ginge. Das Schutzgebiet mit seinen circa 15.000 Bäumen diene auch als wichtiger Wasserrückhalt. Das Netzwerk lehnt den Ausbau im Naturschutzgebiet grundsätzlich ab, da das „Naturschutzgebiet dauerhaft zerstört“ würde, und kündigte weiteren Widerstand an – unter anderem ein Bürgerbegehren gegen die Erweiterung des Phantasialands. Am Abend vor der Ratssitzung hatten bereits etwa 250 Menschen demonstriert.

Befürworter eines Ausbaus verweisen auf die große Bedeutung des Phantasialands als Arbeitgeber und Steuerzahler. Bei einer Erweiterung könnten mehr als 800 weitere Jobs entstehen. Ein Aquapark-Hotelresort sowie eine Theater- und Konzerthalle sollen vor allem zusätzliche Übernachtungsgäste anlocken. Das Phantasialand hatte sich auf WDR-Anfrage vor der Sitzung nicht zu den Plänen geäußert.

Während der Ratssitzung kritisierten Bürger und Opposition scharf, dass CDU und SPD mit dem geplanten Bauleitverfahren eine detaillierte Prüfung der Ausbau-Pläne ermöglichen wollten. Der erhoffte schnelle Schritt zu mehr Planungssicherheit für Stadt und Freizeitpark blieb aus. Eine Entscheidung könnte stattdessen diesen Sommer im Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung der Stadt Brühl fallen. Im Tauschvertrag zwischen dem Phantasialand und dem Land NRW wurde für das Naturschutzgebiet Ententeich eine Ausgleichsfläche von etwa 38 Hektar vereinbart. Der bisher landwirtschaftlich genutzte Wald soll dort neu aufgeforstet werden.

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