Es war einer jener Abende, die Phantasialand-Fans genau verfolgen: Der städtische Planungsausschuss hat mehrheitlich den Weg freigemacht – das Bauleitverfahren zur Erweiterung des Freizeitparks kann beginnen. Umweltschützer lehnen die Überbauung des bisherigen Naturschutzgebiets weiter ab. Trotzdem steckt die Debatte um den Ententeich jetzt in einer neuen, offiziellen Phase.
Um das rund 15 Hektar große Areal rund um den sogenannten Ententeich geht es, teils unter Naturschutz und gelegen im Dreieck zwischen Berggeiststraße, Phantasialandstraße (L 194) und Autobahn 553. Mit den Stimmen des schwarz-roten Mehrheitsbündnisses und der Fraktion FDP/Volt stimmte der Ausschuss für Aufstellungsbeschlüsse zur Änderung des Flächennutzungsplans und zur Erarbeitung eines Bebauungsplans. Grüne und Linkspartei votierten dagegen, die AfD enthielt sich.
Was nicht kommt: der ursprünglich auch von Schwarz-Rot angestrebte vorhabenbezogene Bebauungsplan. Simone Holderried, Fraktionschefin der Grünen, kritisierte den Richtungswechsel scharf. Er „schürt Politikverdrossenheit“, erklärte sie. Und mit Blick auf weniger klare Vorgaben für die Gestaltung des Areals: „Sie kaufen die Katze im Sack.“
CDU-Fraktionschef Holger Köllejan hielt dagegen – man könne eben auch „schlauer werden“. Die Verwaltung hatte darauf hingewiesen, dass ein vorhabenbezogener Bebauungsplan dem Phantasialand zu wenig Spielraum gelassen hätte: enger zeitlicher Rahmen für die Umsetzung, frühe Festlegung auf Nutzung, Lage und Kubatur der geplanten Gebäude. „Attraktionen unterliegen typischerweise dem Zeitgeist und werden innerhalb des rechtlichen Rahmens kurzfristig entwickelt und auch ersetzt“, so die Verwaltung. „Diese Beweglichkeit würde dem Phantasialand genommen, da jede zukünftige städtebaulich relevante Änderung eine Anpassung des Vorhaben- und Erschließungsplans erfordern würde.“ Außerdem ermögliche ein Angebotsbebauungsplan „weitergehende konkretisierende Nutzungsregelungen“.
Genau darauf setzen die Befürworter. „Wir wollen starten, um ein offizielles Prüfverfahren zu haben“, sagte Köllejan. SPD-Ratsherr Leon Berg stimmte zu und baut auf die Gutachten im Verfahren, „weil wir Fakten brauchen, auf die wir uns berufen können“. Beide betonten: Der Ausgang sei offen.
Linkspartei und Grüne sehen das völlig anders. Holderried sagte: „Wer zustimmt, ist politisch interessiert, dass es zu einer Bebauung kommt. Ziel der Planung ist es, Voraussetzungen für eine Erweiterung zu schaffen.“ Matthias Appelt von der Linkspartei warnte vor einem „schwerstmöglichen Eingriff in den Naturschutz“. Er forderte zuerst die Suche nach alternativen Standorten für den Ausbau und im weiteren Verlauf einen Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan erst nach Änderung des Flächennutzungsplans. Die Grünen verlangten mit Blick auf die Planungskosten einen Aufschub, bis die Stadt wieder über einen ordnungsgemäß verabschiedeten Haushalt verfügt – das sei rechtlich geboten. Die Verwaltung ging darauf nicht ein; eine Mehrheit fand sich nicht.
Das Netzwerk NSG Ententeich kündigte am Freitagmorgen erneut ein Bürgerbegehren an, um Bauleitverfahren und Ausbau des Freizeitparks zu stoppen. Vor der Sitzung hatten die Naturschützer demonstriert – rund 250 Menschen waren dabei. Für Fans heißt das vor allem: Die nächste Hürde ist genommen. Das offizielle Prüfverfahren kann starten. Und die Debatte um Phantasialand und Ententeich bleibt laut.
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